Fragen & Antworten

Berlin Energie

Verteilungsnetzbetreiber (auch als Verteilnetzbetreiber, kurz VNB bezeichnet) betreiben Verteilungsnetze auf regionaler Ebene, um damit Endverbraucher (Privathaushalte, Gewerbe usw.) z.B. mit Energie zu versorgen. Verteilungsnetze gibt es also sowohl für Strom als auch für Gas. Verteilungsnetzbetreiber stellen das Verteilungsnetz in der Regel lediglich zur Verfügung und sorgen für dessen kontinuierlichen Betrieb, eine angemessene Wartung und Instandhaltung sowie einen zukunftsfähigen weiteren Ausbau. Die Verteilungsnetzbetreiber schließen in aller Regel keine direkten Endkundenverträge, wie dies Energieversorgungs­unternehmen machen, sondern stellen diesen – gegen eine Netznutzungsgebühr – vielmehr ein betriebsfähiges Verteilungsnetz zur Verfügung.

Erhält „Berlin Energie“ die Konzessionen für das Gas- und/oder Stromnetz im Land Berlin, werden wir dann der Verteilungsnetzbetreiber der Stadt sein. Als  kommunales Unternehmen wird „Berlin Energie“ die Energieversorgungsnetze betreiben und so die Rekommunalisierung der Energieinfrastruktur im Land Berlin umsetzen.

Aufgrund der auslaufenden Konzessionen für Gas und Strom wurde im März 2012 der Landesbetrieb Berlin Energie gegründet, um die Teilnahme des Landes Berlin am Vergabeverfahren für die Neuvergabe der Konzessionen für Gas und Strom sicherzustellen. „Berlin Energie“ wird als kommunales Unternehmen und leistungsstarker Kombinationsnetzbetreiber für Transparenz, Bürgernähe, Umwelt- und Klimaschutz eintreten und für Stadtrendite sorgen. Mit „Berlin Energie“ bleiben die Gewinne aus dem Netzbetrieb im Land Berlin.

Berlin Energie bietet – über den effizienten, sicheren und preisgünstigen Netzbetrieb hinaus – eine an den Zielen der Stadt ausgerichtete Unternehmensführung. Als kommunales Unternehmen werden wir im Gleichklang mit den Zielen der Stadtentwicklung die Netzbewirtschaftung umsetzen und sind den Energie- und Klimazielen der Stadt Berlin verpflichtet:

Die Gas- und Stromversorgung ist eine öffentliche Daseinsvorsorge und sollte in der Hand kommunaler Unternehmen liegen.

Geschwindigkeit und Ausrichtung der Netzentwicklung wird „Berlin Energie“ an die beschlossene zukünftige Stadtentwicklung anpassen.

Die Energie- und Datennetze, die das Rückgrat der Informationsgesellschaft bilden, werden wir zukunftsorientiert und erstmals vollständig transparent gestalten.

Den Standort Berlin und die lokale Wirtschaft werden wir durch eine optimierte Netzgestaltung gezielt entwickeln und fördern.

Durch die angestrebte zukünftige Kombination der Energienetze sollen die Ressourcen und das Klima effektiver geschont und geschützt werden.

Ein „Kombinationsnetzbetreiber“ ist ein Unternehmen, das mehrere Netze gleichzeitig betreibt, also miteinander „kombiniert“. Dem Netzbetreiber eröffnen sich damit auf mehreren Ebenen Gestaltungsmöglichkeiten, die Verteilungsnetze effizienter und wirtschaftlicher zu betreiben.

Das beginnt bei der Planung des Um- und Ausbaus der Netze und geht über konkrete Bau- und Instandhaltungsmaßnahmen bis hin zum physischen Hausanschluss. Da diese Maßnahmen beim Gas- und beim Stromnetz aufeinander abgestimmt werden können und nicht unkoordiniert parallel verlaufen, werden nicht nur Kosten, sondern z.B. auch Verkehrsbeeinträchtigungen reduziert.

Für die Bürger steht ein Ansprechpartner für beide Netze zur Verfügung, eine Website für alles und ein Kundenzentrum für persönliche Rückfragen. Alles rund um den Hausanschluss bis hin zum Zählerstand wird vom Kombinationsnetzbetreiber erledigt.

Mit einem solchen kombinierten Anschluss wollen wir in Berlin den „Berliner Anschluss“ etablieren. Damit sollen nicht nur neue Maßstäbe in Effizienz und  Kundenzufriedenheit gesetzt, vielmehr greift „Berlin Energie“ damit den sich aus der Energiewende ergebenden Trend aktiv auf, dass Gas- und Stromnetze energetisch zusammenwachsen.

Berlin Energie ist verlässlich, transparent und bürgernah. Als kommunales Unternehmen werden wir mit dem Betrieb von Gas- und Stromverteilungsnetzen einen wichtigen Beitrag zur Daseinsvorsorge in Berlin leisten. Die Verantwortung für die Entwicklung der Energieinfrastrukturen wird lokal verankert und die Ergebnisse unseres Handelns werden vor Ort genutzt. „Berlin Energie“ ist ein verlässlicher Partner, der dem Wohl der Menschen in der Stadt verpflichtet ist – heute und in Zukunft.

Transparenz zählt: Deshalb strebt „Berlin Energie“ eine Vorbildfunktion mit dem „gläsernen Netzbetrieb“ an. Damit werden beispielweise die Systemdaten über den Zustand der Energienetze den relevanten Beteiligten unaufgefordert zur Verfügung stellt. Solche Echtzeitdaten sind erforderlich, um erneuerbare Energien besser in das Energiesystem integrieren zu können. Damit leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende.

Wir möchten, dass alle interessierten Berlinerinnen und Berliner mitdiskutieren und mitbestimmen können, wie unsere Energienetze entwickelt werden. Wir sind überzeugt, dass nicht nur wir als Unternehmen gute Ideen dazu haben, sondern auch die Menschen in dieser Stadt. Bürger, Universitäten und Forschungseinrichtungen sollen die Möglichkeit haben, zur Energieversorgung Vorschläge, Ideen und Innovationskonzepte zu unterbreiten.

Das Konzessionsverfahren

Als Konzession wird im Bereich der leitungsgebundenen Energieversorgung (Strom und Gas) die Einräumung eines sogenannten „Wegenutzungsrechtes“ (Nutzung öffentlicher Straßen, Wege und Plätze) durch Städte und Gemeinden gegenüber Energieversorgungsunternehmen bezeichnet. Hierfür zahlen die Netzbetreiber eine Konzessionsabgabe an die Städte und Gemeinden. Konzessionsverträge können für die Dauer von maximal 20 Jahren geschlossen werden, dann muss per Gesetz eine erneute Ausschreibung erfolgen.

In einem Konzessionsverfahren wird über die Vergabe eines Wegenutzungsrechts für den Betrieb eines bestimmten Netzes entschieden. Das Verfahren muss transparent und diskriminierungsfrei ablaufen. Die Konzessionsvergabe erfolgt im Wettbewerb an das Unternehmen, das sich im Bewerbungsverfahren durchsetzt und anhand einer ausführlichen Bewertung nachgewiesen hat, dass es den Konzessionsvertrag entsprechend den Vertragsvorgaben erfüllen kann.

Den aktuellen Stand der Konzessionsverfahren in Berlin können Sie den Seiten der Senatsverwaltung für Finanzen entnehmen www.berlin.de/sen/finanzen/vermoegen/konzessionen/

Weitere Informationen gibt es auf dieser Website in der Rubrik „Meldungen“.

Die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen ist in Deutschland die oberste Aufsichtsbehörde für viele Infrastrukturen, unter anderem auch für Gas- und Stromnetze. Diese werden als „natürliche Monopole“ bezeichnet, da es für einen Wettbewerber wirtschaftlich nicht vertretbar  wäre, ein paralleles Netz aufzubauen – außerdem würde dieses technisch nicht benötigt.
Damit ein solches Monopol nicht missbräuchlich ausgenutzt werden kann, überwacht die Bundesnetzagentur den laufenden Betrieb, überprüft die Jahresabschlüsse der Netzbetreiber und wendet die sogenannte Anreizregulierung (s. folgende Frage) an. Auch für die Berlin Energie wird die Bundesnetzagentur die zuständige Regulierungsbehörde sein, wenn wir den Netzbetrieb übernehmen sollten.

Im Rahmen der Anreizregulierung werden Netzbetreibern seit dem Jahr 2009 individuelle, effizienzbasierte Erlösobergrenzen vorgegeben. Die Regulierungsbehörden legen also fest, welche Beträge Netzbetreiber aus den Netzentgelten, die auf die Kunden, die das Strom- und Gasnetz nutzen, umgelegt werden, erlösen dürfen. Netzbetreiber, die die Effizienzvorgaben übererfüllen, erwirtschaften höhere Renditen als Netzbetreiber, die dies nicht schaffen. Im Fall hoher Effizienz entsteht zusätzlicher Gewinn, den der Netzbetreiber für sich vereinnahmen kann. Hierin liegt der Anreiz für Netzbetreiber, eigene Anstrengungen zu unternehmen, um ihre Effizienz Jahr für Jahr zu steigern.

Netzbetreiber, die nach Ansicht der Bundesnetzagentur zu hohe Kosten gegenüber vergleichbaren Netzbetreibern haben, müssen die Erlösobergrenze Jahr für Jahr senken. Damit simuliert die Bundesnetzagentur gewissermaßen den fehlenden Wettbewerb im natürlichen Monopolgeschäft  der Verteilnetze und sorgt damit  dafür, dass die Entgelte für die Netznutzung (Netznutzungsentgelte) für alle Netzbenutzer preisgünstiger werden.

Der Kaufpreis für die Netze wird, gemäß höchstrichterlicher Rechtsprechung, nach einem Verfahren ermittelt, das objektivierter Ertragswert nennt. Dieser bildet die zukünftig zu erwartenden Ertragsmöglichkeiten einer Investition, bezogen auf den heutigen Zeitpunkt, ab. Der endgültige Preis für die Netze wird final erst in den Übernahmeverhandlungen zwischen bisherigem und neuem Netzbetreiber bestimmt, die nach der Vergabe der jeweiligen Konzession stattfinden.

Netze und die Energiewende

Während der Strom früher fast ausschließlich durch große Kraftwerke in die Hoch- und Höchstspannungsebene (380 KV-Ebene) eingespeist wurde, nehmen die Stromverteilungsnetze mittlerweile immer mehr dezentral erzeugten Strom auf, zum Beispiel aus Solar-, Biomasse- oder Windkraftanlagen. Das führt dazu, dass die bisherige Kapazität der Netze nicht mehr ausreicht, um regional überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien zu den Abnehmern – zum Teil auch in anderen Bundesländern – zu transportieren.

Das Versorgungssystem der Höchstspannungsebene, aber auch der Mittelspannung, muss somit an die unregelmäßig und dezentral verfügbare Erneuerbare Energie angepasst werden, damit die Netze ihre Netzstabilität halten. Ein Zuviel oder Zuwenig an Energie im Netz führt zu Stromausfällen. Daher erhalten die Verteilungsnetzbetreiber in Zukunft für die sichere Versorgung in Städten, Gemeinen und im ländlichen Raum eine stärkere koordinierende Rolle.

Im Grundsatz gilt das Gleiche auch für das Gasnetz, in dem sich die traditionelle Versorgungsstruktur u.a. durch die Einspeisung von Biogas oder Erdgastankstellen verändern wird.

Berlin Energie wird als kommunales Unternehmen eine besondere Verbindung zur Bevölkerung Berlins aufbauen. Im Sinne einer umfassenden Bürgerbeteiligung werden wir in einen offenen Dialog mit der Bevölkerung treten und die Vorschläge der Berliner Bürgerinnen und Bürger, soweit möglich, berücksichtigen.
Wir möchten, dass alle interessierten Berlinerinnen und Berliner mitdiskutieren und mitentscheiden können, wie unsere Energienetze weiterentwickelt werden. Wir sind überzeugt, dass nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Berlin Energie gute Ideen dazu haben, sondern dass auch die Menschen in dieser Stadt, Universitäten und Forschungseinrichtungen wichtige Vorschläge machen werden.

Für das Gelingen der Energiewende ist das Wissen um und die umfassende Information über die realen Energieflüsse in den Netzen ein wichtiger Beurteilungsfaktor – denn die Gleichsetzung der Energiewende mit einer „Stromerzeugungswende“ greift hinsichtlich der Gestaltung unserer zukünftigen energetischen Netzversorgung zu kurz. Der Netzbetreiber ist die einzige Instanz, der über wichtige Energieflussdaten kontinuierlich verfügt und diese der Öffentlichkeit aufbereitet zur Verfügung stellen kann.

Durch die Veröffentlichung dynamischer Netzdaten wollen wir eine energetisch optimale Stadtentwicklung sowie die verbesserte Integration von erneuerbaren Energien und Kraft-Wärme-Kopplung in die Berliner Energie-Infrastruktur fördern. So bietet zum Beispiel gerade das intelligente Zusammenwirken von ländlich geprägten Regionen mit hohem Anteil erneuerbarer Erzeugung, wie im Land Brandenburg, und den Verbrauchsschwerpunkten des Berliner Stadtgebietes ein großes Potenzial für das Lastmanagement von Erzeugungskapazitäten und Letztverbrauchern.

Dies ist einer unserer Beiträge zu einem effizienteren, ressourcenschonenderen und innovativeren Berliner Verteilungsnetz.

Ausblick für Berlin

Der Landesbetrieb Berlin Energie verfügt über große Erfahrungen im Bereich der Energieversorgung allgemein und der Netze im Speziellen. Ihr steht ein kompetentes, interdisziplinäres Team zur Seite, das sämtliche Fragen rund um den Verteilnetzbetrieb fachkundig bearbeiten wird. Darüber hinaus kann Berlin Energie auf konkrete Unterstützung von anderen erfahrenen Partnern des Landes und der Privatwirtschaft zählen – somit werden Potentiale gebündelt und Synergien ideal genutzt.

Die Sachanlagen, wie z.B. Kabel und Rohrleitungen, Umspannwerke und Gasdruckregelanlagen, gehen bei einem möglichen zukünftigen Konzessionserhalt durch Kauf auf Berlin Energie über d.h. es werden keine neuen Netze aufgebaut, sondern die bestehende Infrastruktur wird übernommen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der aktuellen Netzbetreiber, also alle jene, die das Netz technisch steuern, bei Störungen zur Stelle sind, durch Baumaßnahmen die Leitungen instand halten bzw. erneuern, Zählerstände erfassen oder kaufmännische Arbeiten verrichten, sind unverzichtbar und leisten hervorragende Arbeit. Sie kennen die Berliner Netze und die Prozesse eines Netzbetreibers und sorgen dafür, dass durch die energiewirtschaftlichen „Lebensadern“ unserer Stadt immer ausreichend Strom und Gas fließen.

Berlin Energie hat sich vorgenommen, nicht nur die Versorgung Berlins verlässlich und preislich wettbewerbsfähig zu garantieren, sondern auch für die zukünftig dort beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein „Arbeitgeber erster Wahl“ zu sein.

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